Der Kettenhund

Herr, ich bin nur ein armer Kettenhund,
steh' nun vor Dir, mein Hals ist wund.
Fast eingewachsen ist der Ring,
mit dem ich an der Kette hing.

Hab' Ohrenschmerzen,
bin fast blind
von Regen, Schnee und kaltem Wind,

von Rheuma steif sind meine Knochen,
bin fast auf meinem Bauch gekrochen
aus Angst vor meinem strengen Herrn;
denn mich zu streicheln, lag ihm fern,

hätt' gern gegeben alle Liebe,
erhalten hab' ich oft nur Hiebe,
nur so - weil grad im Weg ich stand,
und hätt' so gern geleckt die Hand

für nur ein wenig Zärtlichkeit,
ein wenig Lob, wär' gern bereit
mein armes Leben hinzugeben
könnt' ich mein Aug' zu ihm erheben

und lesen dann in seinem Blick
ein wenig Liebe - doch dies Glück
beschieden hier war es mir nie,
war immer nur ein armes "Vieh".

Bin noch nicht alt nach Menschenjahren
und hab schon so viel Leid erfahren!

Doch steht einmal mein Herr vor Dir,
dann bitt' ich Dich, versprich es mir,
ich fleh' darum nicht ohne Grund,

 

 

 

Der alte Kettenhund

Ich bin allein; es ist schon Nacht

und stille wird’s im Haus.

Dort ist ein Feuer angefacht,

dort ruht mein Herr sich aus.

Er liegt im warmen Federbett,

deckt bis ans Ohr sich zu,

und ich auf meinem harten Brett

bewache seine Ruh.

Die Nacht ist kalt, ich schlafe nicht,

der Wind aus Ost weht kalt;

die Kälte ins Gebein mir kriecht,

ich bin ja auch schon alt.

Die Hütte, die mein Herr versprach,

erlebe ich nicht mehr,

der Regen tropft durchs morsche Dach,

Stroh gab’s schon längst nicht mehr.

Die Nacht ist kalt, der Hunger quält,

mein Winseln niemand hört,

und wüsst’ mein Herr auch, was mir fehlt,

er wird nicht gern gestört.

Die Nacht ist lang, zum zehnten Mal

leck’ ich die Schüssel aus,

den Knochen, den ich jüngst versteckt,

den grub ich längst schon aus.

Die Kette, die schon oft geflickt,

sie reibt den Hals mir bloß.

Sie reicht nur noch ein kurzes Stück

und nie werd ich sie los.

Was Freiheit ist, das lern ich nie,

doch weiß ich, ich bin treu.

So lieg’ ich, warte auf den Tod,

denn dieser macht mich frei.

       (Autor unbekannt)

 

 

 

Die Geschichte des Mops von Winnenden

Ein kleiner Mopshund, wohlgeboren,

der hatte seinen Herrn verloren -

vor Belgrad war`s im Türkenkrieg,

als Prinz Eugen behielt den Sieg.

In Kriegsgeschrei und Pulverdampf,

in Roßgewieher und -gestampf

da sahn sie plötzlich sich nicht mehr.                       

Der Mops lief ratlos hin und her,

hat viel geschnuppert und gebellt!

Längst saß sein Herr im Feldherrnzelt

mit den anderen Generälen,

die konnten alle viel erzählen,

von sich und ihren Heldentaten

und von denen der Soldaten.

Das einen Mopshund er besessen,

das hat er leider ganz vergessen.

Der hat sich aber bald besonnen

und nach Haus den Weg genommen.

Elf Tage lang ist er gerannt,

von Belgrad heim ins Schwabenland!

Wie hat man ihn im Schloß begrüßt,

gestreichelt und ihn abgeküsst!

Die Köchin hat ihm hingestellt,

das beste Futter von der Welt!

Ein Denkmal hat man ihm errichtet,                                        

drauf einen schönen Spruch gedichtet,

in Stein gehauen- nicht aus Holz-

und alle waren auf ihn stolz.

 

(Anonym) aus d. Mopsbuch v. F. Noeske

 

 

 

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